Ostforum für den Ostfußball
15 Dez
OK. Ich gebe es zu. Ich habe es recht leicht. Ich bin heute um die 40. In meiner jugendlichen Sozialisation habe ich familiären Vorgaben entsprechend keine großartigen Erfahrungen mit Fußball gemacht. Ab und zu mal ins Stadion geschmuggelt, keine regelmäßigen Eskapaden wie manche meiner Klassenkameraden. Rückblickend bedaure ich das durchaus.
Für alle die zu Ostzeiten eng mit dem Fußball verbunden waren und Fußball lebten und auch die Jahre des auf und ab der Selbstfindung für Fussball Ost bis heute durchhalten, für alle die muss das Konzept RB ein Schlag ins Gesicht sein. Das gebe ich zu.
Ich verstehe die Vorhaltungen und ich verstehe die Mahnungen von denen, die schon oft an eine positive Entwicklung, an ein langfristiges Aufwärts geglaubt haben, die Versprechungen noch und nöcher gehört haben und die regelmäßig enttäuscht wurden.
Vor denen, die immer weiter zu ihrem Verein stehen mit dem sie groß wurden, egal welche Liga, habe ich Respekt. Ich kann mich reinversetzten (versuche es wenigsten) und verstehe, dass dies höchsten ganz langfristig mal was mit 1.BL zu tun aber im Prinzip dieser Aufstieg eher als Gefahr für den Club gilt. Es fehlt eben der “Backround” , die finanzstarken Regionalen Sponsoren …
Es ist nicht wegzudiskutieren. Fußball Ost/West haben keine gleiche Grundlage. Diese wird es auf absehbare Zeit auf Grund der jeweils völlig anderen Entwicklung evtl. sogar NIE geben.
Nun kommt RB als „Heilsbringer“ und wird ziemlich schnell von einer großen Masse angenommen. Auch von mir. Ich bin da unbefangen, habe es eben leichter … s.o.
Die Reaktion des totalen Boykotts, der Ablehnung, des Hasses oder nur Verachtung kann ich in Teilen durchaus nachvollziehen. Sie spiegeln aber nicht die Realität. Es ist halt ein Reflex.
Zahlreiche immer wieder vorgetragenen Argumente sind schonmal gut und treffend auf dem Kommentar der BSG Seite „RB doof finden, aber wie?“ treffend wiederlegt.
http://www.chemie-leipzig.de/25.html?&tx_ttnewsbackPid=26&tx_ttnewstt_news=154&cHash=26eb0594a668371e88d45043d50eac25
Darüber hinaus gibt es aber auch noch andere, weitere Argumentationen:
Immer wieder gern vorgetragen Mitglieder und Mitbestimmung: Ich denke, in der Realität hat das eine wenig mit dem anderen zu tun. Trotzdem würde ich künftig gern Mitglied werden. Ganz sicher ist: wären von Anfang an nur über eine Mitgliedschaft die Geschicke solch eines Projektes zu bestimmen gewesen, wäre es sofort gescheitert. Diese Strukturen müssen eben langsam wachsen. Es hätte wohl an Interessenten gefehlt. Ggf. hätten auch LOK und Chemie über eigene „Mitglieder“ RB quasi feindlich übernommen. Ich denke heute sehe das anders aus. Viele RB Anhänger würden eine verlässliche Vereinsgrundlage bilden. Ich würde mich freuen, wenn das mal passiert. Es wäre aber auch nicht mein Untergang, wenn nicht.
Das Ziel, RB langfristig aufzubauen und zwar von ziemlich weit unten und mit harter Arbeit und regional verbunden, ganz nach oben zu bringen, finde ich jedenfalls sehr ehrgeizig. Bei der Umsetzung bin ich gern dabei. Bis jetzt macht es mir und meinen Kindern enormen Spaß. Das dieser Weg nicht gerade verläuft und das auch Fehler passieren ist doch klar. Hauptsache man lernt draus. Es ist eben eine Gratwanderung, diesen langfristigen Weg zu gehen und nicht einfach eine Championsmannschaft zu kaufen. Letztlich muss der jetzige Nachwuchs der Garant für den Erfolg werden. Bis dahin ist es aber noch ein Stück.
Todengräber des Fußballs: Dieses Argument ist absolut überzogen. RB ist sicher kein Türöffner für grenzenlosen Kommerz. Ich kann mir nicht vorstellen, wer hier in diese Fußstapfen treten könnte und wollte. Die Voraussetzungen hier in Leipzig sind einfach einzigartig.
Bei RB ist Sport und Sportförderung quasi Kerngeschäft. Allein aus diesem Grund ist dies ein Alleinstellungsmerkmal. Es ist eben nicht „nur“ ein Sponsor. Und natürlich ist das Ziel Marketing. Erfolgreiche Arbeit wird mit der Aura eines erfolgreichen Produkts verbunden und umgekehrt. Ehrlicher kann Marketing nun wirklich nicht sein.
Letztlich muss es jeder für sich allein entscheiden. Jeder der Profifussball / Kommerzfussball ablehnt, lehnt natürlich RB ab. Der „Traditionalist“ sollte sich vielleicht nochmal oder wiedereinmal einen Ruck geben und dem Projekt wenigstens eine Chance geben.
Ich habe keine Bange. Das Projekt wird erfolgreich sein. Ich brauche dazu bloß meinen Bekanntenkreis anzusehen. Viele sind begeistert. Immer mehr sind aktiv dabei. Selbst alte Traditionalisten können dem Vorhaben etwas abgewinnen. Ich kenne eigentlich nur einen einzigen richtigen RB-Hasser persönlich. Allein die vielen Begeisterten Kinder und Jugendlichen sind Garant für den Beginn einer neuen Tradition.
Letztlich das (mein) bestes Argument:
Lange Zeit war Fußball in Leipzig ein „Nischen“-produkt. Letztlich am Rande, für wenige Interessierte. Absolut uninteressant für leistungsstarke Sponsoren. (auf die nun alle angewiesen sind, oder?)
Mit RB ist doch zweifelsfrei Fussball wieder in den Blick der Massen gerückt. Das kann keiner ernsthaft bestreiten. Von dem allgemein großen Interessen profitieren zwangsläufig in den nächsten Jahren auch die Traditionsvereine. Wenn Fussball wieder ein Gesprächsthema ist, steigert sich das Interesse der Sponsoren. Da bekanntlich der Fußball nicht gleichschaltet sondern eher polarisiert, werden mit dem Wachstum der Zahl der RB-Fans auch die anderen FanLager wachsen.
Ich könnte jetzt noch von den gegenseitigen Vorteilen durch die vielfältige Jugendarbeit schreiben, aber … keine Kraft mehr.
Letztlich wird RB mit einem ehrlichen Engagement den Weg in die 1.BL und darüberhinaus gehen. Ganz sicher. Es ist toll dabei zu sein. …
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